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20121120

 HERAKLES_p

Die Pausierung des Arbeitskomplexes PROVIDURIUM
schafft Platz für eine Wiederaufnahme. Mein MÜLL-/ENTROP(H)Y ZYKLUS (2010 – 2011) geht in die nächste Runde. Nach einer Reihe von Arbeiten in verschiedenen Ausstellungs-Kontexten soll nun eine performative Medienkollage für den Bühnenraum entstehen. Getragen durch das Junge Theater im stellwerk ist der Sommer 2013 als erste öffentliche Station geplant. Mit an Board ist neben den Stellwerkern, das vollständige iover-Netzwerk: Simon Salem Müller, Martin Werner, Andreas Möckel und Philipp Wartenberg. Als Assistenz begleitet uns erstmals Franziska Burkhardt. Erweiterungen sind nicht ausgeschlossen.

20121023

 1/86400*7 = Mnemosyne7 

CRASH! BOOM! ENDE! Nein! Das Ende muss nicht knallen, muss nicht spektakulär sein und außergewöhnlich erst recht nicht. Mnemosyne7 war eine Miniaturreihe während des 21. Theaterherbstes und widmete sich genau dieser Facette des Endes – dem stillen, alltäglichen und omnipräsenten Ende. Und das ist freilich keine Revolution. Es hat sogar einen Namen, der wohl nicht ganz vergessen ist, aber doch lange sein Gewicht verloren hat. Deshalb möchte ich mich nicht scheuen kurz die vereinfachenden Qualitäten von Wikipedia zu zitieren: "Vanitas (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, {…}"

Während des Festivals habe ich täglich eine einsekündige Videoaufnahme in Assoziation zum Vergänglichen gesammelt und diese kurzen Bildsequenzen im Wochentakt zusammengefügt. So ist eine kleine Serie von vier Montagen gewachsen. Schaut einfach selbst.

20100716

 Durchschnitt Nr. 4 von 7  

Statement:
Ich ziehe Linien, teile zwischen einem und einem anderen. Im vorliegenden Fall ziehe ich Linien aus Acht Punkten, die die Ecken eines Körpers sein könnten oder auch nur den Grenzbereich eines Feldes bezeichnen. Ich ziehe Linien von einem zum anderen und dort wo die Linien knicken, dort entsteht Perspektive. Linien sind Informationsgeber und ihre Untergründe Informationsträger, welche selbst wiederum nur Teilbereiche sind. Bleibt der Informationsträger auch der selbe so sind es doch die auf ihm vorgenommenen Unterteilungen welche die Information geben. Folglich wird Information zu einer Handlung welche durch Eingrenzen und Einebnen gleichermaßen stattfinden kann.
Videostill

Die Grundlage der Arbeit 'Durchschnitt' ist eine einfache Konzeption zweier Gesten,
übertragen in die traditionelle Technik der Kreidezeichnung auf einer Tafel und gekoppelt mit dem Format des splitted screen


Die Arbeit wurde mit dem Grafe-Kreativpreis 2010 ausgezeichnet.

20090801


Ausstellungsbeitrag
 FENSTERBRÜCKE
 zur Ausstellung: Tanz auf dem Vulkan

Lange schon
hing das berühmt-berüchtigte Damoklesschwert über meiner damaligen Wirkungsstätte (2007-2009), dem Atelierkomplex in den Gebäuden der Weimarer Heinrich Heine Straße. Im Sommer 2009, während der ersten Phase des Abbruchs und der Sanierung der lieb gewonnenen Gebäude, gelang es mir eine größere Menge der alten Fenster vor der Zerstörung zu bewahren. Aus dieser Sammlung entstand die Skulptur Mauern öffnen, Brücken schlagen!, welche temporär den ehemaligen Weimarer Schlachthof mit der gegenwärtigen Agentur für Arbeit verband. 2009/2010 konnte man eine regelrechte Sanierungswelle von kleineren Produktionsstätten und günstigen Rückzugsräumen in Weimar beobachten und 2010 antworteten die Akteure der Ateliergemeinschaft des Gaswerks mit einer ähnlichen Aktionsreihe, in dem sie gleich eine ganze Stadt aus einer groß angelegten Sammlung alter Fenster entstehen ließen. (link)
Skulpturansicht, mit Blick auf die Agentur für Arbeit
Zu der von mir realisierten Arbeit beschenkte mich Maxie Kretzschmar anschließend mit einem Textbeitrag:


Eine Brücke aus Fenstern


Zwischen dem Arbeitsamt Weimar und dem ehemaligen Schlachthof der Stadt entspannt sich eine Brücke aus Fenstern, Backsteinen und Holzlatten. Sie führt direkt in die seit 2008 temporär für Ausstellungsprojekte genutzte Brache, wo früher Schlachtbanken und Kühltruhen den Raum gliederten. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes spielt für die Ausstellungsmacher eine besondere Rolle: Schlachthof – Wer schlachtet was? Wer schlachtet wen? Und wer wird ausgeschlachtet? Im Zusammenhang mit der jährlich statt findenden Präsentation der Bauhaus Universität, die in Weimar Summaery heißt und 2009 „Alles Gute“ der Studierenden präsentieren will, sind diese Fragen wohl berechtigt. Und eine gläserne Brücke kann womöglich bei diesen Fragen Abhilfe schaffen…

Wenn eine Brücke gebaut wird, dann weil das Überwinden eines Tales Mühe macht. Über die Zeit haben sich verschiedene Formen entwickelt: Von der Hängebrücke aus Tau und Ästen bis zur Vollstahlbrücke hat sich ein breites Spektrum heraus gebildet. Die Brücke aus Fenstern ist neu, aber eng verwandt mit der Fachwerkbrücke, die vor allem durch das Zusammenspiel von Zug und Druck funktioniert. Sie wird auf Grund ihrer hohen Belastbarkeit vor allem für Eisenbahnstrecken eingesetzt. Am alten Schlachthof ist die Brücke im doppelten Sinne ihrer Funktion beraubt: Weder ist sie begehbar geschweige denn belastbar noch überbrückt sie ein konkretes Hindernis. Die Fragilität des Materials Glas hindert daran, sich auf den Weg zu machen. Und der Besucher wird gezwungen neben der Brücke das abstrakte Hindernis ohne Hilfsmittel zu überqueren. Das ist die einzige Möglichkeit, um in den Ausstellungsraum zu gelangen. Eine Eisenbahn ist auch weit und breit nicht zu sehen… Also nebenher laufen!?

Blick auf den alten Schlachthof
Die Brücke entspannt sich von Boden zu Boden, den sie gleichsam überbrückt. Pfähle aus Backstein und Holzlatten halten sie im höchsten Punkt auf ca. 1,20 m. Der reißende Strom oder die Ilm bleiben aus. Gras und Unkraut bedeckt den ebenen Boden und die Brücke beides. Beim Gang neben der Brücke kommen die Fragen: Warum eine Brücke, die nichts zu überbrücken hat? Warum führt sie in einen Innenraum? Warum Fenster? Warum hier? 

Ob die Brücke tatsächlich nichts überbrückt, ist zu bezweifeln. „Grüne Wiese“ und „blühende Landschaften“ müssen mühevoll zu Fuß durchschritten werden, um zum Ziel zu gelangen. Die Herkunftsorte der Fenster sind Opfer der Wende und der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten. „Mauern öffnen, Brücken schlagen!“ und Aufbruch hin zum Westen waren Programm. Dass diese Entwicklung mit dem Wegbruch bestehender industriellen Strukturen einher ging, wurde spät erkannt und ein Umlenken kaum möglich. Vis a Vis zum ehemaligen Schlachthof wurde beispielsweise in den 1990er Jahren Thüringens „modernste Schlacht-, Zerlegungs- und Verwurstungsbetrieb“ errichtet. „Mauern öffnen, Brücken schlagen!“ versinnbildlicht den andauernden Prozess des Zusammenwachsen der deutschen Staaten und den Umgang mit vorhandenen Ressourcen.

Im Zusammenhang mit dem Ort, der Einbettung in die Jahresausstellung Summaery, den Umständen der Ausstellung und der exponierten Lage der Brücke im Eingangsbereich wird sie auch zum Sinnbild des Studiums an deutschen (Kunst-) hochschulen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Studierenden. Nicht nur die Studienzeit gleicht dem permanenten Hin und Her auf der gläsernen Brücke: Entscheidungen werden zwischen einem „Entweder … oder …“ gefällt und das auf unsicherem, obgleich potentiell transparentem Boden. Zwischen Arbeitsamt und Schlachtbank fällt die Orientierung schwer!
Die technische Meisterleistung des VEB Patermann im Brückenbau lässt also unterschiedliche Interpretationen zu, provoziert sie gar. Eines ist sicher, die Glasbrücke ist dem Menschen keine Hilfe. Sie wirft Fragen auf, ohne Antworten zu liefern. Sie öffnet Denkräume ohne Fluchtpläne. Sie täuscht Leichtigkeit vor und wiegt statt dessen schwer wie Blei. Und das ohne Netz und doppelten Boden.