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20121023

 1/86400*7 = Mnemosyne7 

CRASH! BOOM! ENDE! Nein! Das Ende muss nicht knallen, muss nicht spektakulär sein und außergewöhnlich erst recht nicht. Mnemosyne7 war eine Miniaturreihe während des 21. Theaterherbstes und widmete sich genau dieser Facette des Endes – dem stillen, alltäglichen und omnipräsenten Ende. Und das ist freilich keine Revolution. Es hat sogar einen Namen, der wohl nicht ganz vergessen ist, aber doch lange sein Gewicht verloren hat. Deshalb möchte ich mich nicht scheuen kurz die vereinfachenden Qualitäten von Wikipedia zu zitieren: "Vanitas (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, {…}"

Während des Festivals habe ich täglich eine einsekündige Videoaufnahme in Assoziation zum Vergänglichen gesammelt und diese kurzen Bildsequenzen im Wochentakt zusammengefügt. So ist eine kleine Serie von vier Montagen gewachsen. Schaut einfach selbst.

20121005

 EINE STADT - EINE FRAGE
 Nachwehen des Greizer Theaterherbstes

iOver@greizerTheaterherbst'12
=
Vier Wochen mit durchschnittlich 7 Menschen (+/-) die permanent, gemeinsam in einem Raum hinter ihren Flimmerkisten hängen und sich an einem Theaterfestival abarbeiten...
=
max. Output

Abseits der hohen Zeichenmathematik lässt sich das auch einfach so sagen: Die Festplatten sind voll und es gibt noch einiges das ich hier noch nicht gepostet habe. Noch kürzer: Play!

20120922

 FÜNF FRAGEN AN... | Wenn Künstler Künstler befragen

Bereits im dritten Jahr habe ich eine Reihe von Interviews mit KünstlerInnen und TheatermacherInnen im Rahmen des Greizer Theaterherbstes geführt. Die aktuelle Ausgabe dieser Arbeitssequenz ist in den vergangenen Wochen Teil um Teil ins Netz gegangen und nun dauerhaft im Online-Theaterjournal echo? echo! verfügbar. Die achtteilige Ausgabe ist, wie bereits ihre Vorgänger, gemeinsam mit Martin Werner und unter dem Arbeits-Label iOver entstanden.
Für die erneute Gesprächsreihe über Kunst und Leben haben wir uns auf fünf einfache Fragen reduziert, welche für alle befragten KünstlerInnen die selben waren. Auch das diesjährige Motto: Das Ende ist nah bzw. der für den 21. Dezember 2012, durch den Kalender der alten Maya angekündigte, mögliche Weltuntergang spielte dabei eine Rolle für uns. Interviewpartner waren Martin Heesch (Berlin), Michael-Paul Milow (Chemnitz), Frank Maibier (Chemnitz), Marie Rodewald (Berlin), Kami Manns (München), Ulrich Blumenstein (Greiz), Christian Hanisch (Leipzig) und Anna Maria Münzner (Dresden) – Reihefolge der Namen gemäß den folgenden Videos. Alle Videos, inklusive zusätzlicher Informationen zu den Personen, findet ihr auch hier.

20120716

 ästhetik des reisens | kollision 1stanbul; ... :providurium 
Die Jahresausstellung 
der Bauhaus-Universität, die summaery, war mir ein Anlass die Installation: KOLLISION 1stanbul; ... :providurium erstmalig für Gäste einzurichten. Und das nicht ganz ohne Erfolg. Die Jury des Grafe-Kreativ-Preises, der nun bereits zum dritten Mal Arbeiten aus verschiedenen Fachbereichen während der summaery auszeichnet, hat die Installation als eine von 26 prämierten Arbeiten für die Bauhaus Essentials 2012 ausgewählt. Trotz nun vergangener Jahresausstellung wird man die Arbeit also wieder sehen können. Am 18. Oktober soll die Ausstellung Bauhaus Essentials 2012 in der marke.6, im Neuen Museum Weimar eröffnet werden.

Mehr zur Arbeit:
Detailansicht


Der Text zur Ausstellung
KOLLISION 1stanbul; ... :providurium
Installation, Objektsammlung, Videoloop, Texte - 2012


Lucian Patermann arbeitet zumeist in Reihen. 2012 widmet er sich unter dem Begriff Providurium der Beobachtung von Bewegung. Seit April hat er sich hierfür selbst in Bewegung gesetzt und über 4000 Kilometer Bahnstrecke zurückgelegt und diverse deutsche Städte besucht. 

KOLLISION 1stanbul bildet hierbei eine Ausnahme, für einen 10tägigen Aufenthalt hat er sich in ein Flugzeug gesetzt und seine Beobachtungen in die Stadt am Bosporus verlegt. Ausgerüstet mit dem ihm gewohnten Notizpapier und einer Kamera hat er eine Sammlung von Beobachtungen angelegt. Als Reisender und rastloser Europäer kollidierte er mit der permanenten Bewegung einer der größten Städte des Orients. Zurück in Deutschland konfrontiert er die Erfahrungen aus dieser Stadt mit dem Versuch, diese in ein Ordnungssystem zu bringen. Seine Installation verschmilzt Texte, Fotografien, Videoaufnahmen und gesammelte Gegenstände miteinander zu einer fragilen Miniatur der Erinnerung, die selbst zu einer Art Stadtmodell wird. Aufgeschlagene Ordner und ein Arrangement aus unterschiedlichsten Erinnerungsträgern interpolieren dabei gemeinsam zwischen einem breit angelegten Stadtportrait und kleinteiligen Detailaufnahmen. Im Zentrum dieses Arrangements stehen zwei Videoaufnahmen, die Dokumente ganz alltäglicher Kollisionen Istanbuls sind und doch unterhalb der gewöhnlichen Aufnahmewinkel liegen.

Weitere Detailansichten:



20120701

 ästhetik des reisens | little 1stanbul post 1 
work in progress

20120622

 function:mensch | Medienwand 

Sei Puppe!
So der Slogan, 
der den Namen des Geburtstagsfestes mit roten Lettern überzeichnet. Die Abteilung Puppenspiel, an der HfS Ernst-Busch in Berlin, feiert ihren 40. Jahrestag. Ich wurde damit beauftragt eine kleine Gruppe von Studierenden anzuleiten und mit ihnen gemeinsam ein Medienprogramm zu erarbeiten. Via flickr, wordpress und einer ganz realen Medienwand (Siehe Bilder) realisieren wir dieses Vorhaben derzeit während der puppetistischen Feiertage.

Die Medienwand ist eine vier-kanalige Videoinstallation in der kontinuierlich wachsendes Bildmaterial der Festveranstaltungen miteinander verschränkt wird. Das folgende Video zeigt einen Auszug eines Kanals, welcher Bildmaterial der beiden Aufbautage enthält. Zu hören sind Audio-Takes aus dem Gebäude der Abteilung, welche auch im Originalaufbau die Installation rahmen.




20111121


/ VR–020110714/17–01
 BAUHAUS SCHREIBT BAUHAUS
 die zweite Etappe

Die kleine Laboreinheit,
die der Suche nach der Handschrift der Bauhäusler gewidmet ist, hat erfolgreich ihre zweite Etappe beendet. Nach dem wir in der ersten Etappe und während der Jahresausstellung der Bauhaus-Universität Weimar eine Bibliothek mit ca. 1300 Schriftproben von aktuellen Bauhäuslern gesammelt haben wurden wir von der Jury des Universitätspreises 2011 dazu eingeladen an der Ausstellung Bauhaus Essentials im Souterrain des Neuen Museums Weimar teilzuhaben. Wir haben diese ungeplante Gelegenheit dazu genutzt die Sammlung ein erstes Mal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und haben gleichzeitig Künstler und Gestalter dazu aufgerufen die Sammlung weiter zu verarbeiten und auszuwerten. 

Ca. 50 Interessierte aus ganz Deutschland haben sich bisher gemeldet und in den nächsten Tagen werden wir folglich in die nächste Etappe gehen und die Bibliothek an sie übergeben. In Hinblick auf die vierte Phase des Projektes wird von da an bis April Zeit sein sich an dem Material auszutoben. Darauf folgend werden wir alle Ergebnisse zusammentragen und in einer weiteren Ausstellung veröffentlichen.
Teilhaber an diesem Projekt sind neben mir:
Maxie Götze und Frank Martin Dietrich.
Die merkwürdige Zeichenkombination: / VR–020110714/17–01, bezeichnet die erste stichprobenartige Sammlung von Bauhaus-Signets. 
Die einzelnen Phasen des Projekts gliedern sich bisher wie folgt:
1. Phase: Sammlung | 14. – 17. Juli 2011
2. Phase: Ausstellung und Aufruf | 29. Sept. – 20. Nov. 2011
3. Phase: Weiterverarbeitung und Auswertung | Jan.'12 – Apr.'12
4. Phase: Ausstellung | Apr.'12

Anmelden kann man sich hier: bauhaus-schreibt-bauhaus.de

20111103

 Zum 20. GREIZER THEATERHERBST

Ein Auszug aus den Greizer Herbstblättern, zum Jubiläumsjahr des Greizer Theaterherbstes – unter dem Motto: Geschichte wird gemacht!



Leitung & Schnitt: Lucian Patermann
Außenteam: Theresia Reinhold & Martin Werner
Musik: Abe Monk (Philipp Wartenberg)

20090801


Ausstellungsbeitrag
 FENSTERBRÜCKE
 zur Ausstellung: Tanz auf dem Vulkan

Lange schon
hing das berühmt-berüchtigte Damoklesschwert über meiner damaligen Wirkungsstätte (2007-2009), dem Atelierkomplex in den Gebäuden der Weimarer Heinrich Heine Straße. Im Sommer 2009, während der ersten Phase des Abbruchs und der Sanierung der lieb gewonnenen Gebäude, gelang es mir eine größere Menge der alten Fenster vor der Zerstörung zu bewahren. Aus dieser Sammlung entstand die Skulptur Mauern öffnen, Brücken schlagen!, welche temporär den ehemaligen Weimarer Schlachthof mit der gegenwärtigen Agentur für Arbeit verband. 2009/2010 konnte man eine regelrechte Sanierungswelle von kleineren Produktionsstätten und günstigen Rückzugsräumen in Weimar beobachten und 2010 antworteten die Akteure der Ateliergemeinschaft des Gaswerks mit einer ähnlichen Aktionsreihe, in dem sie gleich eine ganze Stadt aus einer groß angelegten Sammlung alter Fenster entstehen ließen. (link)
Skulpturansicht, mit Blick auf die Agentur für Arbeit
Zu der von mir realisierten Arbeit beschenkte mich Maxie Kretzschmar anschließend mit einem Textbeitrag:


Eine Brücke aus Fenstern


Zwischen dem Arbeitsamt Weimar und dem ehemaligen Schlachthof der Stadt entspannt sich eine Brücke aus Fenstern, Backsteinen und Holzlatten. Sie führt direkt in die seit 2008 temporär für Ausstellungsprojekte genutzte Brache, wo früher Schlachtbanken und Kühltruhen den Raum gliederten. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes spielt für die Ausstellungsmacher eine besondere Rolle: Schlachthof – Wer schlachtet was? Wer schlachtet wen? Und wer wird ausgeschlachtet? Im Zusammenhang mit der jährlich statt findenden Präsentation der Bauhaus Universität, die in Weimar Summaery heißt und 2009 „Alles Gute“ der Studierenden präsentieren will, sind diese Fragen wohl berechtigt. Und eine gläserne Brücke kann womöglich bei diesen Fragen Abhilfe schaffen…

Wenn eine Brücke gebaut wird, dann weil das Überwinden eines Tales Mühe macht. Über die Zeit haben sich verschiedene Formen entwickelt: Von der Hängebrücke aus Tau und Ästen bis zur Vollstahlbrücke hat sich ein breites Spektrum heraus gebildet. Die Brücke aus Fenstern ist neu, aber eng verwandt mit der Fachwerkbrücke, die vor allem durch das Zusammenspiel von Zug und Druck funktioniert. Sie wird auf Grund ihrer hohen Belastbarkeit vor allem für Eisenbahnstrecken eingesetzt. Am alten Schlachthof ist die Brücke im doppelten Sinne ihrer Funktion beraubt: Weder ist sie begehbar geschweige denn belastbar noch überbrückt sie ein konkretes Hindernis. Die Fragilität des Materials Glas hindert daran, sich auf den Weg zu machen. Und der Besucher wird gezwungen neben der Brücke das abstrakte Hindernis ohne Hilfsmittel zu überqueren. Das ist die einzige Möglichkeit, um in den Ausstellungsraum zu gelangen. Eine Eisenbahn ist auch weit und breit nicht zu sehen… Also nebenher laufen!?

Blick auf den alten Schlachthof
Die Brücke entspannt sich von Boden zu Boden, den sie gleichsam überbrückt. Pfähle aus Backstein und Holzlatten halten sie im höchsten Punkt auf ca. 1,20 m. Der reißende Strom oder die Ilm bleiben aus. Gras und Unkraut bedeckt den ebenen Boden und die Brücke beides. Beim Gang neben der Brücke kommen die Fragen: Warum eine Brücke, die nichts zu überbrücken hat? Warum führt sie in einen Innenraum? Warum Fenster? Warum hier? 

Ob die Brücke tatsächlich nichts überbrückt, ist zu bezweifeln. „Grüne Wiese“ und „blühende Landschaften“ müssen mühevoll zu Fuß durchschritten werden, um zum Ziel zu gelangen. Die Herkunftsorte der Fenster sind Opfer der Wende und der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten. „Mauern öffnen, Brücken schlagen!“ und Aufbruch hin zum Westen waren Programm. Dass diese Entwicklung mit dem Wegbruch bestehender industriellen Strukturen einher ging, wurde spät erkannt und ein Umlenken kaum möglich. Vis a Vis zum ehemaligen Schlachthof wurde beispielsweise in den 1990er Jahren Thüringens „modernste Schlacht-, Zerlegungs- und Verwurstungsbetrieb“ errichtet. „Mauern öffnen, Brücken schlagen!“ versinnbildlicht den andauernden Prozess des Zusammenwachsen der deutschen Staaten und den Umgang mit vorhandenen Ressourcen.

Im Zusammenhang mit dem Ort, der Einbettung in die Jahresausstellung Summaery, den Umständen der Ausstellung und der exponierten Lage der Brücke im Eingangsbereich wird sie auch zum Sinnbild des Studiums an deutschen (Kunst-) hochschulen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Studierenden. Nicht nur die Studienzeit gleicht dem permanenten Hin und Her auf der gläsernen Brücke: Entscheidungen werden zwischen einem „Entweder … oder …“ gefällt und das auf unsicherem, obgleich potentiell transparentem Boden. Zwischen Arbeitsamt und Schlachtbank fällt die Orientierung schwer!
Die technische Meisterleistung des VEB Patermann im Brückenbau lässt also unterschiedliche Interpretationen zu, provoziert sie gar. Eines ist sicher, die Glasbrücke ist dem Menschen keine Hilfe. Sie wirft Fragen auf, ohne Antworten zu liefern. Sie öffnet Denkräume ohne Fluchtpläne. Sie täuscht Leichtigkeit vor und wiegt statt dessen schwer wie Blei. Und das ohne Netz und doppelten Boden.